Infographic mit Symbolen: positiver Mensch, Toilette, Mensch im Rollstuhl

Begriffe und Menschen

„Die Begriffe, die man sich von was macht, sind sehr wichtig. Sie sind die Griffe, mit denen man die Dinge bewegen kann.“ (Bertolt Brecht)

Das tolle Zitat (trotz ‚man‘) ist auch in meinem eBook 🙂

Es leitet ein Buch aus dem Jahr 2003 ein. Der Titel:

Das „Buch der Begriffe – Sprache, Behinderung, Integration“

Wie der Titel ankĂĽndigt, ist das Handlungsfeld Sprache und Menschen mit Behinderung das Thema.

Darin auf Seite 23:

„BEHINDERTE … Die undifferenzierte Wortwahl kann leicht verbessert werden. Behinderte Personen empfinden es jedenfalls angenehmer als „behinderter Mensch“ oder „Mensch mit Behinderung“ bezeichnet zu werden, oder einfach als „behinderte Frau“, „behinderter Mann“, „behindertes Kind“, „behinderte Journalistin“ usw.“

Im Jahr 2018, irgendwo in Deutschland:

wc-behinderte-menschen-mit-behinderung-inklusiv-korrekt-positiv
Foto: WC-Schild irgendwo in Deutschland

Sprachliche Behinderung? Wir behindern uns selber und andere, durch unsere Wörter! Barrierefreies Denken funktioniert so nicht!

„Die Begriffe, die wir uns von etwas machen, sind sehr wichtig. Sie sind die Griffe, mit denen wir die Dinge bewegen können.“ (Bertolt Brecht + inklusiv korrekt positiv)

Das Buch der Begriffe als PDF-Datei ist auf leidmedien.org gelistet:

Direkter Deep-Link-Download zur Universität Salzburg:

Banner mit Symbolen: Haus, Euro-Zeichen, Netzwerk, Flugzeug, Sonne, Menschen, Schiff

Apropos FAQ: Deutungsrahmen & Barcelona

Die Frankfurter Allgemeine Quaterly (FAQ) Herbst 2018 leidet nicht nur an Ăśberalterung. Ganz im Gegenteil. Bis jetzt finde ich viele Artikel, trotz generischem Maskulinum, sehr gut.

Besonders gut gefällt mir, dass Samen für neue Deutungsrahmen (Frames) in menschlichen Köpfen gepflanzt werden.

Z.B. der Artikel:

`“(081) Die Stadt: Barcelona zeigt, wie eine Smart City von unten entstehen und seine Bewohner [ihre Bewohnenden] beglĂĽcken kann“ (FAQ, Herbst 2008, Seite 010 [inklusiv korrekt positiv])

In meiner Filterblase sehe, höre und lese ich im Zusammenhang mit Barcelona nur von ‚Gentrifizierung‘, ‚Overtourism‘, ’nackten Feiernden in Barceloneta‘ und ‚pisos turĂ­sticos‘,  also Airbnb, plus Taxis, die keine mehr sind (Uber) und riesigen Kreuzfahrtschiffen.

Doch Barcelona hat Ada Colau als Stadtoberhaupt und damit auch eine bottom-up-Politik unter Beteiligung der Menschen, die in der Stadt leben. Und das mithilfe von digitalen Technologien. Eine digitale Pionierin!

„Alles, was sie in Barcelona entwerfen, ist Open Source, kann also von anderen Städten ĂĽbernommen werden – genau das wollen sie [Ada Colau und Co.]: „Dass sich diese Art der Politik verbreitet, weil der Neoliberalismus, der auch das Silicon Valley regiert, sonst unsere Demokratien zerstört.““ (FAQ, Herbst 2018, Seite 085, [Anmerkung])

Fearless Cities

‚Fearless Cities‘, das Konzept hinter Ada Colaus Barcelona, ist wirklich mal eine Vision. Fearless Cities hat eine Webseite und es ist ein Buch fĂĽr 2019 in Planung:

Ăśberwachungskapitalismus

Am meisten gefreut habe ich mich, den Deutungsrahmen ‚Ăśberwachungskapitalismus‘ ebenfalls in dem Artikel wiederzufinden. Diesen kritischen Deutungsrahmen und eine darauf aufbauende Alternative hat die ‚Ă–konomin und Technologie-Expertin‘ Francesca Bria nach Barcelona gebracht:

„Bria war nie Hausbesetzerin, doch die promovierte Ă–konomin teilt Colaus Ăśberzeugungen: mehr Feminismus und mehr Kommunismus – Daten-Kommunismus zumindest. Der Ăśberwachungskapitalismus des Silicon Valley ist ihr Hauptfeind.“ (FAQ, Herbst 2018, Seite 083)

Bravo!

Überwachungskapitalismus oder Surveillance capitalism:

netzpolitik.org hat viel darĂĽber unter dem Tag:

Fazit

Erstens: ein toller Artikel, ich hoffe, der Samen trägt Früchte und vielleicht sprießt bald die erste deutsche Stadt, die zur Fearless City wird.

Zweitens: Deutungsrahmen (framing) funktionieren und sind wichtig; unsere Sprache ist wichtig. Vor dem Artikel war Barcelona fĂĽr mich out. Jetzt sehe ich die Stadt wieder mit anderen Augen.

<ironie>Vieleicht gucke ich gleich mal nach einem billigen Flug fĂĽr zwei Tage nach Barcelona, buche eine Uber-Fahrt vom Flughafen nach Barceloneta, wo ich in einer Smart-Home-Airbnb-Residenz mit Mehrwert Meerblick residiere und vom Balkon aus auf Schweröl verbrennende Schiffe gucke, während ich ein Selfie…. </ironie>

 

Leidet an ĂĽberalterung

„Mit intellektuellem Tiefgang und sinnlichem Blick fĂĽr Ă„sthetik befasst sich Frankfurter Allgemeine Quarterly intensiv mit den vielfältigen Möglichkeiten, die sich in unserer Welt auftun. Vieles von dem, was morgen unser tägliches Leben prägen wird, lässt sich heute schon erkennen. Wir laden Sie ein, diese Vorzeichen mit uns zu entdecken.“(fazquarterly.de)

Der Deutungsrahmen (Frame) „die auch unter der Ăśberalterung der Gesellschaft leidet“ ist aber kein positives Vorzeichen, oder? Aus der Frankfurter Allgemeine Quaterly Ausgabe 08, Herbst 2018, Seite 009.

Foto mit Text der Seite 009 der FAQ Herbst 2018 Ausgabe 8 mit HIghlight: die auch unter der Ăśberalterung der Gesellschaft leidet
Foto mit Text der Seite 009 der Frankfurter Allgemeine Quaterly (FAQ) Herbst 2018 Ausgabe 8. Highlight in roter Farbe von mir.

Intellektueller Tiefgang? Wer leidet hier woran? Vielleicht an unreflektierter Sprache? An negativen Deutungsrahmen?

Sexmangel oder Altersdiskriminierung, das ist eher die Frage hier.

Vieles von dem, was morgen unser tägliches Leben prägen wird, können wir schon heute durch inklusive, korrekte und positive Sprache formen. (inklusiv korrekt positiv)

Text: Humane Intelligenz ist zu KĂĽnstlicher Intelligenz wie Inklusive Sprache zu Inklusivem Programmieren, in

KIs & sprachliche Deutungsräume

In meinem Kopf geht es weiter mit Sprache und Natural Language Processsing (NLP) durch Maschinelles Lernen.

Humane Intelligenz verhält sich zu Künstliche Intelligenz wie Inklusive Sprache zu Inklusives Programmieren

also:

HI:KI :: inklusive sprache:inklusives programmieren

.-)

Im A Beginner’s Quide to Word2Vec and Neural Word Embeddings habe ich Folgendes gefunden. Die schreibende Person des Artikels nutzt den ID-Anchor #crazy um folgende Passage intern zu verlinken:

Amusing Word2Vec Results

Let’s look at some other associations Word2vec can produce.

Instead of the pluses, minus and equals signs, we’ll give you the results in the notation of logical analogies, where : means “is to” and :: means “as”; e.g. “Rome is to Italy as Beijing is to China” = Rome:Italy::Beijing:China. In the last spot, rather than supplying the “answer”, we’ll give you the list of words that a Word2vec model proposes, when given the first three elements:

king:queen::man:[woman, Attempted abduction, teenager, girl]
//Weird, but you can kind of see it (skymind.ai)

Kommunikation ist…

„Kommunikation ist wie eine Kugel, die Du abfeuerst.“ (Theo Veltkamp, COMENO company consulting GmbH)

Vielleicht etwas martialisch, aber vielleicht richtig, um die Wichtigkeit unserer Wörter zu betonen.

Das Zitat (ich hoffe, ich habe es mir korrekt gemerkt) stammt aus einem Vortrag von Theo Veltkamp von COMENO – coach me now! zum Thema Agilität im  JOSEPHS®, dem offenen Innovationslabor in NĂĽrnberg.

Alternsdifferenz

„Welchen fĂĽr die Diskussion wichtigen Informationsgehalt vermittelt Dir die Kommunikation des numerischen Alters?

Keinen. Denn Menschen altern zu unterschiedlich (Alternsdifferenz) und Lebensbiografien sind ebenfalls zu unterschiedlich.“ (inklusiv korrekt positiv: bewusst kommunizieren, Kapitel: Inklusive Sprache & personenbezogene Merkmale: Alter und Nummern)

Alternsdifferenz!?

Was ist Alternsdifferenz?

Alternsdifferenz bedeutet:

Menschen altern unterschiedlich. Wir können mithilfe von Alters-Kategorien (z.B.: alt, jung) oder Nummern (z.B.: 36-jährig, geboren 1983) keine Information über einen individuellen Menschen kommunizieren.

Die Erkenntnis, dass Menschen auf verschiedene Art älter werden, ist die Basis fĂĽr ein…

„…Recht gegen jede Orientierung am biochronologischen Alter, damit also fĂĽr alle, die gern nach genaueren Kriterien als dem Geburtsjahrgang beurteilt werden…“ (Susanne Baer in Chancen und Risiken Positiver MaĂźnahmen: Grundprobleme des Antidiskriminierungsrechts und drei Orientierungen fĂĽr die Zukunft (boell.de)

Eine Referenz und Quelle, die Alternsdifferenz belegt, ist die:

„Das zentrale Ergebnis war die Bestätigung von Thomaes Hypothese, dass die Struktur und der Verlauf des Alterns weniger das Ergebnis von Alternsnormen ist als vielmehr durch eine Vielzahl von Altersformen geprägt wird.“ (wikipedia.org)

Best of: Politisches Framing (Elisabeth Wehling)

Nicht mehr in mein eBook  geschafft haben es folgende Ideen aus dem Buch Politisches Framing: Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht (bpb Schriftenreihe Band 10064) von Elisabeth Wehling:

Neurowissenschaftliche Performativität:

„Zur Erinnerung: Unser Gehirn erlernt Frames, indem es die Erfahrung macht, dass bestimmte Phänomene entweder in der natĂĽrlichen Welt miteinander korrelieren oder durch Kultur oder Sprache wiederholt miteinander in einen Zusammenhang gebracht werden… Das wiederholte simultane Auftreten beider Zustände fĂĽhrt dazu, dass diese sich in unserem Gehirn in einem Frame miteinander vernetzen.“ (S. 38-39)

Die Black-Box der humanen Intelligenz:

„Nur geschätzte 2 Prozent unseres Denkens sind bewusste Vorgänge“ (S. 43)

Nichts ist ohne Wörter:

„… kann langfristig kognitive Pluralität nur ĂĽber sprachliche Pluralität bestehen.“ (S. 43)

 

Wer Differenzierung sät, wird auch Diskriminierung ernten…

„Wer Differenzierung sät, wird auch Diskriminierung ernten, und wer eine Differenzierung setzt, wird hierarchisierte Ungleichheiten erzeugen.“ (Susanne Baer, FuĂźnote entfernt)

Das schöne Zitat von Susanne Baer hat es nicht mehr in mein eBook geschafft. Doch es geistert viel in meinem Kopf herum und ich werde leider oft daran erinnert…

Es ist aus dem Essay:

Das Essay ist auch enthalten in dem PDF-Book Positive Maßnahmen – Von Antidiskriminierung zu Diversity; downloadbar via: